An beschissenen Tagen wie heute, in beschissenen Wochen wie dieser, tut er richtig gut, die Alltagskleidung abzustreifen, in Strumpfhose und Trikot zu schlüpfen, die Haare zu einem festen Knoten festzustecken und die Spitzenschuhbänder extra eng zu knoten.
An beschissenen Tagen wie heute, in beschissenen Wochen wie dieser, fühlt es sich noch besser an als sonst, die Schuhe trotz Schmerzen bis zum Ende der Stunde anzubehalten.
Es tut gut, sich bei den Sprüngen zu verausgaben, und es hilft, die ganze Wut in den Gegenzug von Oberkörper und Bein in einer Attitude zu legen. Oder in das vierzigste Relevé heute, oder in die zwölfte Pirouette heute. Wenn schon nichts läuft wie es soll, wenigstens durchziehen.
Mit dem ersten Plié beginnen, nach und nach, alle Sorgen abstreifen.
Nach dem Training über Probleme mit Spitzenschuhen und das neue schöne Trikot reden, anstatt über echte Probleme.
An beschissenen Tagen wie heute, in beschissenen Wochen wie dieser, habe ich zwar immer noch höllische Angst vor meiner Zukunft, ist mir aber egal, für welchen Preis ich gehe und was ich zurücklasse.
Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal so von jemandem enttäuscht war.
An solchen Tagen freue ich mich trotz der riesigen Angst auf mein neues Leben.
Ich will es. In aller Herrgottsfrühe aufstehen, nur etwas Joghurt und Obst zum Frühstück, Beeilung, den Zug kriegen, im Zug einen Kaffee, mit meinem Bruder verschlafen schweigen.
Umsteigen, keine Eile, die Mädchen treffen, Küsschen rechts, Küsschen links, die Bahn nehmen, Geschichte, heute als erstes. Deutsch danach, Kunst. Und dann, dann das, wofür ich hier bin.
Das Drehschloss vom Spint geöffnet, die Trainingskleidung rausziehen, überstreifen. Die Haare zu einem festen Knoten, die Wärmehose überstreifen.
Lachend mit den anderen, der Pianist ist schon da, ein paar Pliés, Tendus, später große Sprünge über die Diagonale, bis alles schmerzt.
Hausaufgaben im Zug, telefonieren. Zu Hause duschen, eine Kleinigkeit essen und schlafen. Morgen wieder, und übermorgen. Ich will es.
Und deshalb tue ich es.
Egal, wer was darüber denkt.